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Ayurveda für’s Leben: Warum Ayurveda weit mehr ist als die Schwester des Yoga

Wenn wir an Ayurveda denken, denken viele zuerst an Vata, Pitta und Kapha, an warmes Wasser am Morgen, Gewürze, Öl, eine bestimmte Ernährung, einen Dosha-Test oder vielleicht an eine Ayurveda-Kur.

Und wer Yoga praktiziert, begegnet Ayurveda früher oder später häufig als der „Schwester des Yoga“. Das ist richtig und gleichzeitig nur ein Teil der Geschichte.

Denn Ayurveda bedeutet sinngemäß „Wissen vom Leben“. Genau darin liegt für mich bis heute seine eigentliche Kraft. Ayurveda ist kein System, das uns sagt, wie wir alle leben sollten. Es hilft uns vielmehr dabei zu verstehen, warum Menschen unterschiedlich sind, warum sich unsere Bedürfnisse verändern und was zu einem bestimmten Menschen in einer bestimmten Situation gerade passen könnte.

Für mich ist Ayurveda deshalb weit mehr als Gesundheitswissen. Es ist zugleich Menschenwissen und Lebenswissen.

Bei mir kam zuerst Ayurveda und dann Yoga

Mein eigener Weg verlief andersherum, als man vielleicht erwarten würde: Ich bin nicht über Yoga zum Ayurveda gekommen, sondern über Ayurveda zum Yoga.

Nach meiner ersten intensiven Ayurveda-Ausbildung hatte ich das Gefühl, dass mir noch etwas fehlt. Ich hatte ein tiefes Verständnis dafür entwickelt, wie unterschiedlich Menschen sind und wie sehr Rhythmus, Ernährung, Lebensweise und innere Dynamiken unsere Gesundheit beeinflussen. Gleichzeitig suchte ich nach einem Werkzeug, das den Körper stärker mit einbezieht und dieses Wissen nicht nur verständlich, sondern auch unmittelbar erfahrbar macht.

So kam ich zum Yoga.

Eigentlich wollte ich nie Yogalehrerin werden. Ich wollte Yoga zunächst einfach verstehen. Aus diesem Wunsch sind im Laufe der Jahre mehr als 1.000 Stunden Yoga-Aus- und Weiterbildungen entstanden – von Hatha über Yin und Vinyasa bis hin zu Yoga-Ayurveda-Therapie, Meditation und Breathwork. Es gab außerdem eine intensive Zeit, in der ich selbst viel Yoga unterrichtet habe, und diese Erfahrung möchte ich nicht missen.

Gerade durch das Unterrichten habe ich auf einer weiteren Ebene verstanden, was Ayurveda meint, wenn es darum geht, Menschen individuell zu betrachten: Nicht jede Praxis ist für jeden Menschen zu jedem Zeitpunkt die richtige.

Heute sehe ich Yoga deshalb nicht als getrennte Disziplin neben Ayurveda. Für mich ist Yoga eines der wertvollsten Werkzeuge, um ayurvedisches Wissen in Bewegung, Atem und unmittelbare Erfahrung zu übersetzen.

Yoga und Ayurveda: zwei Perspektiven auf denselben Menschen

Yoga und Ayurveda werden häufig als Schwesternwissenschaften bezeichnet. Beide betrachten den Menschen ganzheitlich und denken Körper und Geist nicht voneinander getrennt. Ernährung, Bewegung, Atmung, Regeneration, Lebensweise und mentale Prozesse beeinflussen sich gegenseitig.

Yoga gibt uns vielfältige Möglichkeiten, über Körper, Atem und Geist auf unseren Zustand einzuwirken. Ayurveda ergänzt für mich eine entscheidende Frage: Was braucht dieser Mensch gerade?

Denn nicht jede Yogapraxis wirkt auf jeden Menschen gleich. Eine dynamische, fordernde Praxis kann jemanden wunderbar aus Trägheit und Schwere bringen. Bei einem Menschen, dessen System ohnehin permanent auf Hochtouren läuft, kann dieselbe Praxis noch mehr Unruhe erzeugen. Eine ruhige Praxis wiederum kann dem einen helfen, endlich herunterzufahren, während sie für jemand anderen möglicherweise noch mehr Schwere bedeutet.

Ayurvedisch zu denken heißt deshalb nicht automatisch, bestimmte Asanas bestimmten Doshas zuzuordnen. Es bedeutet vielmehr, genauer wahrzunehmen, zu unterscheiden und angemessen zu reagieren.

Und genau das gilt nicht nur auf der Yogamatte.

Was dir guttut, muss für mich noch lange nicht richtig sein

Wir leben heute in einer Welt voller Gesundheitswissen. Eigentlich wissen wir unglaublich viel darüber, was gesund sein soll. Wir sollen ausreichend schlafen, Krafttraining machen, uns täglich bewegen, meditieren, genügend Protein essen, unseren Blutzucker stabil halten, morgens Tageslicht bekommen, Stress reduzieren und natürlich eine gute Morgenroutine haben.

Vieles davon kann sinnvoll sein. Aber vielleicht stellen wir manchmal die falsche Frage.

Statt ausschließlich zu fragen: Was ist gesund?, wäre möglicherweise die wichtigere Frage: Was ist für mich – jetzt – gesund und angemessen?

Menschen sind unterschiedlich, und wir selbst sind nicht einmal jeden Tag gleich. Was mir in einer Lebensphase Stabilität gegeben hat, kann mich einige Jahre später einengen. Was mich im Sommer wunderbar unterstützt, muss mitten im Winter nicht genauso funktionieren. Und was in einer ruhigen Lebensphase passend ist, kann in einer Zeit hoher Belastung schlicht zu viel sein.

Ayurveda berücksichtigt genau diese Dynamik. Er betrachtet unter anderem die individuelle Konstitution, den aktuellen Zustand, Verdauung und Energie, aber auch Lebensphase, Jahreszeit, Rhythmus, Belastung und Umfeld.

Vielleicht fasziniert mich dieses jahrtausendealte Wissen gerade deshalb in unserer heutigen Zeit mehr denn je.

Vielleicht haben wir gar kein Wissensproblem

In meiner Arbeit begegne ich immer wieder Menschen, die sehr genau wissen, was sie „eigentlich“ tun sollten: gesünder essen, mehr schlafen, sich mehr bewegen, öfter Pausen machen, meditieren, weniger arbeiten oder besser auf sich achten.

Das Wissen ist längst da. Und trotzdem gelingt die Umsetzung oft nicht.

Gesundheit scheitert eben selten an einer weiteren Information. Häufig fehlt vielmehr ein Gespür dafür, was gerade wirklich gebraucht wird.

Viele Menschen haben meiner Wahrnehmung nach heute weniger ein Wissensproblem als ein Zuviel-Problem: zu viele Aufgaben, zu viele Rollen, zu viele Reize, zu viele Erwartungen und manchmal sogar zu viele Gesundheitsroutinen.

Interessanterweise reagieren wir selbst auf Erschöpfung häufig mit einem weiteren Punkt auf unserer Liste. Noch ein Supplement, noch eine Morgenroutine, noch eine App, noch eine Methode, die wir jetzt zusätzlich „richtig“ machen sollen.

Ayurveda erinnert mich immer wieder an eine andere Perspektive: Gesundheit entsteht nicht ausschließlich durch das, was wir hinzufügen. Manchmal entsteht sie auch dadurch, dass etwas weniger werden darf.

Ayurveda als Wissen über Menschen

Vielleicht berührt mich Ayurveda auch deshalb bis heute so sehr, weil sich vieles davon mit meiner Arbeit als wertorientierte systemische Coachin verbindet.

Natürlich sind Ayurveda und systemisches Coaching zwei unterschiedliche Ansätze. Und dennoch begegnet mir in beiden eine ähnliche Grundhaltung: Menschen nicht vorschnell zu bewerten und ihnen nicht sofort eine fertige Lösung überzustülpen, sondern zunächst genauer wahrzunehmen, was tatsächlich da ist.

Was wirkt auf diesen Menschen? Welche Ressourcen sind vorhanden? Was braucht Veränderung und was vielleicht gar nicht?

Im Coaching würde ich niemals davon ausgehen, dass dieselbe Intervention für jeden Menschen funktioniert. Warum sollten wir das bei Gesundheit, Bewegung oder Lebensführung tun?

Genau hier empfinde ich Ayurveda als besonders wertvoll. Denn Menschen reagieren nicht nur körperlich unterschiedlich, sondern auch emotional und mental, vor allem dann, wenn Druck entsteht.

Der eine Mensch wird hektisch, springt zwischen Gedanken und Aufgaben hin und her und verliert seine Orientierung. Ein anderer wird ungeduldig, kontrollierend oder sehr leistungsorientiert. Wieder jemand zieht sich zurück, verliert seinen Antrieb und kommt kaum noch ins Handeln.

Natürlich lässt sich kein Mensch auf ein Dosha reduzieren. Ayurveda sollte aus meiner Sicht niemals zu einem neuen Persönlichkeitstest werden, bei dem wir Menschen einfach in drei Schubladen stecken.

Im Gegenteil: Wer Ayurveda tiefer versteht, erkennt vor allem, wie individuell Menschen sind.

Die fünf Elemente, die Doshas und die Gunas geben uns eine Sprache, um bestimmte Dynamiken wahrzunehmen. Nicht, um Menschen festzulegen, sondern um genauer hinzuschauen.

Deshalb kann dieses Wissen auch für Menschen spannend sein, die beruflich andere begleiten: für Yogalehrer, Coaches, Trainer, Berater und ebenso für alle, die besser verstehen möchten, warum ein Gegenüber vielleicht vollkommen anders reagiert als man selbst.

Selbstführung beginnt mit Selbstwahrnehmung

Wir sprechen heute viel über Selbstführung. Doch bevor ich mich sinnvoll führen kann, muss ich zunächst wahrnehmen, was in mir passiert.

Bin ich tatsächlich müde oder brauche ich Bewegung? Brauche ich Ruhe oder Struktur? Rückzug oder Verbindung? Ist meine vermeintliche Disziplin gerade hilfreich oder treibe ich mich damit noch weiter über meine Grenzen? Ist eine Routine, die mir normalerweise guttut, heute wirklich passend oder halte ich nur daran fest, weil ich glaube, dass man es eben so macht?

Ayurveda gibt darauf keine universelle Antwort. Und genau das schätze ich daran.

Er trainiert vielmehr eine Fähigkeit, die wir im Alltag schnell verlieren: uns selbst wieder differenzierter wahrzunehmen und aus dieser Wahrnehmung heraus passend zu handeln.

Ayurveda bedeutet auch: Rhythmus statt Perfektion

Ein Gedanke zieht sich für mich durch das gesamte ayurvedische Wissen: Rhythmus.

Tag und Nacht, Aktivität und Regeneration, Jahreszeiten und Lebensphasen, Anspannung und Entspannung, Aufnehmen und Loslassen gehören zusammen. Wir können nicht permanent in derselben Energie leben.

Und vielleicht entsteht ein Teil unseres heutigen Stresses genau dort, wo wir es trotzdem versuchen: immer leistungsfähig, immer fokussiert, immer motiviert, immer verfügbar und möglichst auch noch immer gesund.

Ayurveda erinnert uns daran, dass Leben zyklisch ist. Langfristige Gesundheit hat aus dieser Perspektive möglicherweise weniger mit Perfektion zu tun als mit unserer Fähigkeit, auf Veränderung angemessen zu reagieren.

Was wir heute gerne als Longevity bezeichnen, beginnt deshalb nicht erst bei Biomarkern oder den neuesten Gesundheitsinnovationen. Es beginnt viel früher: bei Rhythmus, Regeneration, Verdauung, Bewegung, Beziehungen, Lebensfreude und dem richtigen Maß.

Vielleicht passt Ayurveda deshalb besonders gut in den Dezember

Meine nächste Ayurveda-Fortbildung findet in der Woche vor Weihnachten, in meiner alten Heimat Braunschweig – statt.

Als ich den Termin das erste Mal gesehen habe, dachte ich kurz: ausgerechnet dann?

Heute denke ich: Vielleicht gibt es kaum einen passenderen Zeitpunkt.

Denn gerade in diesen Wochen passiert häufig das Gegenteil von dem, was wir eigentlich brauchen. Wir arbeiten Dinge noch schnell fertig, organisieren Weihnachten, kaufen Geschenke, treffen Menschen, erfüllen Erwartungen, planen das nächste Jahr und versuchen gleichzeitig irgendwie, besinnlich zu sein.

Vielleicht brauchen wir kurz vor Weihnachten deshalb gar nicht noch mehr, sondern einmal weniger.

Ein Wochenende, an dem wir bewusst aus diesem Modus aussteigen. Nicht, um uns noch weiter zu optimieren, sondern um genauer hinzuschauen: Was gibt mir Energie? Was kostet mich Energie? Was brauche ich gerade? Was darf weniger werden? Und was möchte ich mit ins neue Jahr nehmen?

Kein klassisches Yoga-Wochenende

Die 20-stündige Ayurveda-Fortbildung ist ursprünglich als Bestandteil einer 300-Stunden-Yogalehrer entstanden. Die Verbindung zum Yoga bleibt wichtig, aber das Wochenende selbst ist kein klassisches Yoga-Wochenende.

Wir beschäftigen uns ganzheitlich mit Ayurveda: mit den fünf Elementen und den Doshas, mit den Gunas und ihren mentalen Dynamiken, mit Ernährung, Agni und Verdauung, mit Tages- und Jahresrhythmen, Lebensphasen, Stress, Regeneration und Nervensystem, mit Routinen und Ritualen sowie mit dem Thema Longevity.

Natürlich geht es auch darum, wie Yoga individuell und bedarfsgerecht eingesetzt werden kann. Vor allem aber geht es immer wieder um die Übersetzung in das wirkliche Leben.

Was bedeutet dieses Wissen für meine Selbstführung? Für meinen Alltag? Für meinen Yogaunterricht? Für Coaching, Beratung oder die Begleitung anderer Menschen? Und was verändert sich vielleicht in der Art, wie ich überhaupt auf Menschen schaue?

Du musst dafür keine Yogalehrerin sein

Dieser Punkt ist mir besonders wichtig: Du brauchst keine Yogalehrer-Ausbildung, um an diesem Wochenende teilzunehmen, und du musst Ayurveda auch noch nicht umfassend kennen.

Was du brauchst, ist Neugier auf Menschen, auf dich selbst und auf die Frage, was uns langfristig gesund, lebendig und handlungsfähig hält.

Denn Ayurveda ist für mich nicht einfach ein weiteres Gesundheitssystem und auch keine Sammlung perfekter Routinen. Er ist ein Kompass für ein differenzierteres Verständnis von Menschen, Gesundheit und Veränderung.

Ein Wissen darüber, dass Menschen unterschiedlich sind, dass Leben sich verändert und dass Balance nicht bedeutet, immer gleich zu bleiben.

Sondern immer wieder herauszufinden:

Was passt – JETZT – für mich?

Vielleicht ist genau das AYURVEDA FÜR’S LEBEN.


 

AYURVEDA FÜRS LEBEN
Eine Serie über Menschen, Rhythmus und die Frage, was wirklich passt.

Im Dezember begleite ich bei Phoenix Yoga in Braunschweig eine 20-stündige Ayurveda-Fortbildung für alle, die Ayurveda ganzheitlich kennenlernen und für sich selbst oder in der Arbeit mit Menschen nutzen möchten.

Yogalehrer sind herzlich willkommen. Alle anderen auch.

Über Ariane

Ich bin Ariane – Coachin und Ayurveda-Expertin. Mit Klarheit, Geduld und einem offenen Herzen begleite ich Frauen in Zeiten des Umbruchs. Mein Ansatz verbindet Spiritualität mit Bodenständigkeit, damit du innere Stärke findest und dein Leben selbstbestimmt, erfüllt und voller Lebenskraft gestalten kannst.

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